Freitag, 6. Juni 2008

Verängstigter Jäger

Gruselig ist es im Stangenholz,
wenn kein Lichtstrahl durch ´s Astwerk dringt
und die Dämmerung vor der Nacht hinschmolz
und dich Totenstille umringt.
Dein lautloser Gang auf dem Nadelflor,
noch federnd elastischer Schritt,
doch plötzlich dringt Grunzen und Knacken ans Ohr,
es ist wie ein Teufelsritt
und bricht durch das Holz im wilden Galopp,
wie von dem Bösen gestochen:
eine Rotte Schweine mit roher Gewalt,
schwarze Schatten, die nach Maggi gerochen.
Der Jäger erstarrt fast zu Stein im Verhalt.
Er ist knapp der Gefahr noch entronnen!
Doch da er so ´n schaurig Erlebnis nicht mag,
hat er sich künftig besonnen
und geht in das Holz ab sofort nur am Tag!

Donnerstag, 5. Juni 2008

Besser nicht…

Klarheit liegt im Weizenkorn,
Wässerchen, das feurig macht
und des Lebens schmerzend Dorn
ist im Nu wie weggeschafft.
+
Glas auf Gläschen wird genossen
standhaft zeigt sich eis´ner Wille
und die Zukunft wird begossen
mit dem Wasser der Destille.
+
Später dann, erst wenn der Kater
wütet und rumort im Kopf,
und die Liebste macht Theater
wird der Thekenheld zum Tropf.
Babylonische Vögel

Vögel sind sie allesamt,
die mit mir den Garten teilen;
pfeilschnell durch die Lüfte eilen
oder plustern sich im Sand.
+
Heiser klingt der Krähenschrei,
unruhig Tauben mit gurr, gurr
piepsich klingen Fink und Spatz, nur
Amselsang wie Melodei.
+
Und ich sitze da und staune
über Vielfalt im Gesang,
Stimmenwirrwarr munt´rer Klang
der Natur mutwilliger Laune.
+
Vögel sind sie allesamt
doch die Stimm-Kakaphonie
birgt Verständigung wohl nie,
was dem Menschen wohl bekannt!

Mittwoch, 4. Juni 2008

Gedanken am Meer

Gurgel, gluckern, glucksen platschen
sanfter Wellenschlag
schroffes Gestein glatt küssend
im Wechsel der Gezeiten
ein endlos scheinendes Ritual
Kuss und platschen
Zurückweisungen ohne Sinn
endlos, erfolglos.
Einschmeichelnd schwappt
die nächste Welle an
rollt wie mit ausgebreiteten Armen
allumfassend
auf den sperrigen Küstensaum.
Vom Meer ausgespülte Löcher,
die wie tote Augenhöhlen
unermüdlich küssender Braut
tatenlos entgegen starren.
Oh, wilde See,
hast du nicht schon genug verschlungen?
Verzichte auf der Tränen salziger Flut!
Ach nur noch einmal….

Schlendern mit dir am Weizenfeld,
dein wehendes Haar der Kornfarbe gleich,
dein wiegender Gang mich gefangen hält,
deine Gegenwart ist mir wie Himmelreich.
Und strahlen die Augen im Sonnenglanz
tiefblau, wie der Kornblume gleich
und Lippen so rot wie Mohn und ganz
wie Pfirsich deine Haut so weich.
Ich seh deinen Liebreiz noch heute vor mir.
Ach, könnt ich noch schlendern,
nur noch einmal mit dir!

Dienstag, 3. Juni 2008

Träumerei

Ich seh dem Tanz der Blätter in dem Winde zu,
der durch das Astwerk alter Bäume fegt,
er wiegt und wogt und lässt so keine Ruh,
als störe ihn, dass sich ein Baum nicht fortbewegt.
*
Ich sitze da mit wohl zerzaustem Haar,
vom Wind umspielt mit angenehmer Kühle
steift mich die Luft so sanft, so wunderbar
und wie die Blätter sich in ihr bewegen
berührt auch sie in mir Gefühle.
*
Ich lausch dem Rauschen in dem Blättertanz
und bild mir ein, dass es ein Märchen mir erzählt
von ferner Welt, in der ein Blütenkranz
als Sehnsuchtsgruss für mich in Meereswogen fällt.

Montag, 2. Juni 2008

Schwalben

Pfeilspitzen schneiden blaues Himmelstuch,
schnell, so schnell, dass jede Wunde
sich sofort verschliesst.
Steigen auf und stürzen sich herab,
dem trägen Auge bald entschwunden.
+
Und wieder, dieses Mal im flachen Flug
durchzischen weitere Objekte schwere
aufgeheizte Luft,
jagend, sich drehend schwerelos
von keinem Flügelschlag durchbrochen.
+
Sommer kündende Schwalben,
ihr Jäger fernwehgetriebener Träume,
ungehindert eintauchend in eine Welt
unbegrenzter Freiheit. Doch – wie lange noch?