Freitag, 18. Juli 2008

Unerwünscht

Lautlos durch die Lüfte schwebt
zierlich, filigran gewebt
Samen einer Distelpflanze,
hebt und dreht sich wie im Tanze,
scheint sie sucht sich selbst die Stelle,
jenen Platz der sonnenhelle
geschützt zugleich, doch auch noch feucht:
sie senkt sich, hat den Platz erreicht,
wird angedrückt auf feuchte Erde,
auf dass aus Samen Pflanze werde.
Man sieht auch schon nach kurzer Zeit
hat sie gewurzelt, macht sich breit
und wird als Unkraut gut gedeihen,
worüber sich die Gärtner „freuen“,
weil die doch Wachstum sehr geniessen
und deshalb auch die Pflanzen giessen
zum Ernten und als Farbentupfen.
Warum sie Disteln jedoch rupfen,
vernichten so mit Stumpf und Stiel-
ist denn Natürlichkeit zu viel?
Ihr Blick hängt sonst mit grossem Bangen
auf Saatgut, das nicht aufgegangen!
Als Gast in einem fremden Garten,
da kann man Gutes nicht erwarten.
Drum endet hier auch die Epistel:
wer unerwünscht ist eine Distel!

Mittwoch, 16. Juli 2008

Weltpolitiker

Ach, lächelt nur und schüttelt euch die Hände
im Focus mit dem Kamera-Gesicht.
Die Menschen dieser Welt, die glauben euch am Ende
doch die verlogenen Masken nicht.
Die brav gesetzten, höflich-floskelhaften Reden,
die blasenhaft den Mündern euch entweichen,
meint ihr, die überzeugen jeden,
die könnten eure Völker noch erreichen?
Das endlos Tafeln, Reden, Diskutieren,
das Tagen, Reisen, Geldverschwenden
kann doch nur zorn´gen Frust gerieren
und niemals die Bedürftigkeit beenden.
Was meint ihr, warum viele dieser Politik wohl trotzen
und euch Figuren kaum noch so ertragen?
Sie finden, was ihr tut, gelind gesagt zum Kotzen,
da müsst ihr nicht erst Meinungsinstitute fragen!


Dienstag, 15. Juli 2008

Stammbaum


Das WOHIN – wer kann es wissen,
wird das Leben dir entrissen?
Denkt man nach wird einem klar,
wie lang man eigentlich nicht war.
Und so stellt sich immer mehr
jene Frage nach woher?
Ohne die Genealogie
erfährt man dieses sicher nie.
Man kann Geld und Nerven schonen,
wendet man sich an Mormonen,
denn in deren Datenbank
findet man, Mormon sei Dank,
zielgerichtet wie im Traum
Ast und Zweig von dem Stammbaum,
der dir zeigt woher du kamst,
wenn du nur recht tief drin kramst.
Vielleicht wirst du dann erfahren,
dass vor vielen hundert Jahren
so ein Knösel von Urahn
geriet auf eine schiefe Bahn,
und du hast, was gar nicht schön,
geerbt ein kriminelles Gen.
Auch die Hoffnung nobler Ahnen
führt dich weg auf falsche Bahnen.
Und so reift schnell der Entschluss:
schön zu wissen – doch kein Muss.
Du bist du und was vorher
schert dich keinen Deubel mehr!
Bleibt die Frage des WOHIN,
zu ergründen -gibt das Sinn?

Montag, 14. Juli 2008

Märchen

Märchenwelt du träumst
an der Wirklichkeit vorbei
erscheinst beglückend
doch sieht man näher hin
findet man Grausamkeit
Untugenden
Reichtum und Armut
Liebe und Hass.
Wirkliche Welt, nicht wirklich märchenhaft.
Märchenhaft nur stets der Ausgang.
So träumt die Märchenwelt
an der Wirklichkeit vorbei,
es war einmal?
Nein, es war nie!


Unpassend

Wenn der Wind die Bäume rüttelt
und im Sommer Blätter schüttelt,
war ´s zu trocken letzter Zeit,
dörrt doch alles weit und breit.
*
Kaum, dass man sich dran gewöhnt,
unter dieser Hitze stöhnt,
giesst es plötzlich wie aus Kübeln
und auch das kann man verübeln!
*
Findet man kein Mittelmass
verdirbt `s uns allen jeden Spass,
Petrus wir dann ernsthaft grollen:
„weiss der Kerl nicht, was wir wollen?“
*
Sonne, die betulich scheint,
Himmel, der des Nachts nur weint
Ozonwert, der für uns erträglich
und das alles bitte täglich.
*
Wetterlaunen, Kapriolen,
bleiben besser uns gestohlen.
Kurz gesagt, zusammenfassend,
ist das Wetter recht unpassend.

Freitag, 11. Juli 2008

Fliege an der Wand

Sitzt eine Fliege an der Wand.
Was nun folgt ist uns bekannt,
denn ein fliegendes Insekt
ist in Wohnräumen suspekt.
Sitzt beim Frühstück man gerade,
fliegt sie auf die Marmelade,
was unhygienisch, das ist klar,
weiss man doch, wo sie einst war.
Hält man ein Schläfchen – so nicht lange
krabbelt sie auf deiner Wange,
und selbst wenn man sie verscheucht,
sie nur kurzfristig entfleucht.
Surrt am Fenster, der Gardine
und du siehst mit saurer Miene,
dass wenn du sie sitzen lässt,
bleibt hernach ein Klecks als Rest.
Also, soll sie dich nicht plagen
musst du sie am besten jagen,
dich befreien von den Nöten:
heisst du musst das Tierchen töten!
Vorsichtig, jedoch mit Zorn,
nähert sich die Hand von vorn,
damit, da sie vorwärts fliegt,
man sie einfängt, also kriegt,
um sie dann mit bös Entzücken
in der Hand sie zu zerdrücken.
Dies jedoch find´ sie gemein,
denn du fängst sie so nicht ein.
Nach dem zehnten Fehlversuch
hast du danach dann genug.
Hilft da eine Fliegenklatsche
etwa dir dann aus der Patsche?
Was wär, wenn ich solches täte
mit dem Klecks auf der Tapete?
Da fällt mir was andres ein
und ich lass das Schlagen sein.
In dem Schränkchen, wie ich seh`,
gibt es noch Insektenspray.
Diese Keule der Chemie
benutz ich selten oder nie.
Nur bei grösserem Verdruss,
tut man was man tun muss!
Und so schleich ich und ich luge,
sprüh das Tierchen noch im Fluge,
das dann schon in kurzer Frist
zappelt und verendet ist.
Doch nun rührt sich mein Gewissen
und ich fühle mich beschissen.
Eine Fliege an der Wand
bewirkt denn doch so allerhand.
Das Ergebnis ist: ich schwöre,
dass ich niemanden mehr störe!


Donnerstag, 10. Juli 2008

Hampelmann

Lachende Augen, den Kopf bunt bemützt,
den Mund wie zum Kusse zugespitzt,
ein Harlekinskleid
das viel zu weit
und die Arme hängen baumelnd lose,
die Beine bedeckt mit roter Hose,
die Füsse im rechten Winkel gespreizt,
am Grotesken hat man hier nicht gegeizt.
Ein langer Faden hängt zwischen den Beinen.
Welch ein Spielzeug für die lieben Kleinen,
denn wenn sie dran ziehen oder zupfen,
beim Hampelmann Arme und Beine hupfen.
Somit wird den Kindern schon kundgetan,
willst du, dass wer springt, zieh die Leine an.
Vor allem die Mädchen lernen sehr schnelle
beim Mann zu erkennen die richtige Stelle.
So erfährt denn ein jeder ganz genau,
warum ´s Hampelmann heisst und nicht Hampelfrau!