Montag, 8. Dezember 2008

Mir reicht ´s jetzt

Schrecklich, fürchterlich die Krise,
wie seit 60 Jahren nicht,
jeder redet alles miese –
heißt ´s am Ende noch Verzicht?
Können wir nicht mehr genießen
Thailand, China, die Kanaren?
Können wir ´s nicht mehr genießen
kreuzfahrtschiffig rumzufahren?
Wenn Gerüchte sich verdichten
und die Kurse weiter sinken,
muß auf Zweitwagen man verzichten,
kann man keinen Sekt mehr trinken?
Fürchterlich wär das Malheur
könnt das Kind nicht smessen.
Fast-Food Ketten bleiben leer,
man müsst was Gesundes essen.
Obstdrinks könnt man sich nicht leisten,
müsste vielleicht Äpfel kaufen
und es stänk´ den Kids am meisten
könnten weniger Softdrinks saufen!
Vor teuren Jeans und Markenwaren,
hergestellt mit Hungerlöhnen,
wird die Krise uns bewahren:
allein dies könnt´ mich versöhnen!
Suhlt euch in Kassandrareden,
Leichtsinn hat euch wohl erfasst,
wenn euch euer gutes Leben
offenbar so nicht mehr passt.

Samstag, 6. Dezember 2008

Unachtsam

Gestern habe ich mein Glücklichsein vergessen.
Obgleich ich schwor auf immer darauf aufzupassen,
hab ich es so ganz nebenbei im Restaurant beim Essen
unbedacht und achtlos liegen lassen.
*
Somit geschah es, wie es kommen musste.
Ich hatte wohl die Schwelle meines Glückes überschritten,
und wie beim Lebensbrot die Krume von der Kruste
so wurd mein Glücklichsein mir abgeschnitten.
*
Ich fühle mich seitdem wie ein Zitronensaft,
der ohne Zucker kaum noch zu genießen.
Die Lebensfreude so abrupt dahingerafft
und aus dem Aug` die Zähren fließen.
*
Mein kleines Glücklichsein, wie werd´ ich dich vermissen,
vielleicht hat dich ein anderer schon entdeckt
und so ganz nebenbei ohn´ schlecht Gewissen
in seine eigene Tasche eingesteckt.

Freitag, 5. Dezember 2008

Zu spät?

Es ist spät geworden –
unter weißem Haar
die Gedanken überborden
künden wollend was geschah.
*
Schwer geworden meine Glieder,
die mich durch das Leben tragen,
längst Vergangenes kehrt wieder:
Lasten die mir aufgeladen.
*
Eingetrübt hat sich der Blick,
den man einst als keck empfand
und mein Schalk in dem Genick
schon seit Jahren mir entschwand.
*
Das Gedächtnis ziemlich lahmt,
schnell Versproch´nes ist vergessen.
Von Verklärung eingerahmt
seh` ich viel wie ´s nicht gewesen.
*
Weisheit – Alter zugeschrieben –
auch an mir vorübergeht.
bin der Alte nicht geblieben:
ist ´s für Neues schon zu spät?

Donnerstag, 4. Dezember 2008

Verrat an Weihnachten

Ihr glaubt das Licht in diese Welt zu bringen,
wie damals jener Stern von Bethlehem.
Doch eure Lampen können nicht durchdringen
die Düsternis, die in der Menschheit herrscht seitdem.
*
Ihr mögt den Tag des Heils auch noch so feierlich begehen,
die Kirchen füllen, Weihnachtsbäume schmücken,
der, den ihr feiert kann in eure Herzen sehen,
und was er sieht, das kann ihn nur bedrücken.
*
Wir, die wir seinen Namen oft im Munde führen,
verraten ihn durch Krieg, durch Hass und Gier,
uns können Aids und Hunger in der Welt nicht rühren
und Wohlstand-Schultern zucken: “was kann ich dafür?“
*
Ja, spult sie ab, die frommen Weihrauch-Rituale
abseits von dem, was in der Welt so vor sich geht.
Doch wundert euch auch nicht, wenn jemand vor euch steht
und spricht: „ich muß nach Golgatha – zum zweiten Male!“

Mittwoch, 3. Dezember 2008

Steinherz

sehende augen,
schreie des schmerzes im ohr

es fühlt nicht mein herz

leere blicke,
hungerschlaffe körper

und doch teilnahmslos mein herz

siechende glieder,
im gesicht erbarmungslose einsamkeit

nicht rührt es mein herz

elend dieser welt,
warum schreist du mir nicht entgegen:

STEINHERZ

ehrlich würde ich gestehen:
weil ich schwach und feige bin!

Dienstag, 2. Dezember 2008

Glückwunschkarte

Man wünscht Gesundheit auch und Glück,
geprägt auf jenen bunten Karten.
Ganz unten bleibt dann frei ein Stück
auf das die Unterschriften warten.
Ganz selten wird der Text ergänzt:
es fehlen offenbar die Worte,
stattdessen auf der Karte glänzt
zum Beispiel die Geburtstagstorte.
Recht groß jedoch der Sendername,
schwungvoll mit jener Eleganz,
hervorgerufen aus dem Schame,
dass and´re Worte fehlen – ganz.
Solch Grüße kann man sich doch schenken.
sie deuten an, dass sie nur Pflicht
an den Empfänger zwar zu denken
als ein Beweis – und mehr ist nicht.
Will man dies Armutszeugnis „schreiben“
und einem lieben Menschen senden,
so ist mein Rat: laß es doch bleiben,
das Geld kannst du den Armen spenden!

Montag, 1. Dezember 2008

Verwirrend

Heute ist die Vergangenheit von morgen.
Heißt dies, nicht mehr vorzusorgen,
weil die Zukunft so betrachtet
mit dem Morgen schon befrachtet?
Zukunft also ist die Zeit
näherer Vergangenheit,
wenn der Zeitstrahl eng gefasst.
Und so ist der Zukunft Last
wohl dem Heute zuzuschreiben.
Das Heute wird sich vor dem Morgen scheiden,
ist somit eigentlich vergangen.
Warum dann vor der Zukunft bangen,
wenn auf dem Zeitstrahl mit der List
die Zukunft schon vergangen ist?