Donnerstag, 25. Februar 2010

Vorfrühling

Es bricht aus dunkler Kruste
vorwitzig spitzig Grün,
grad so als ob es wusste,
dass frost´ge Tage fliehen.

Auf Frost befreiten Wiesen
Schwarzdrosseln Würmer suchen
Schneeschmelzen wie Bächlein fliessen
und bilden kleine Furchen.

Noch reckt die blasse Sonne nicht
sich auf den hohen Stand.
Nicht strahlend – milchig ist ihr Licht,
so reicht der Vorfrühling die Hand.

Mittwoch, 24. Februar 2010

geschwärzt

Gefährlich ist der Worte Wahl,
um Unrecht anzuklagen.
sie fordern Opfer ohne Zahl,
wenn Menschen freie Rede wagen.

Geschwärzt Passagen in den Schriften
die dicken Balken zeigen an,
hier will ein Mensch das Volk vergiften.
Wir, die Despoten hindern ihn daran!

Vertuschen, schweigen, drangsalieren,
die Sonne bringt es nicht ans Licht
und sollte trotzdem es passieren,
so schwärzen sie nach derer Sicht.

Mit Mustern schwarz auf weißen Seiten
verkünden die, die was verstecken:
wir diskutieren nicht und streiten,
wir wissen wir haben Dreck am Stecken!

Dienstag, 23. Februar 2010

Schnee von gestern

Die dichte, weiße Flockenpracht,
die gestern noch herab gerieselt,
die uns entzückt, doch Arbeit auch gemacht,
sie schmilzt zu grauem Matsch
und Regen pieselt,
vereint sich mit dem Schmelz zu
kladderadatsch.
Es schmuddelt schmutzig vor sich hin,
was prächtig einst geglänzt,
wie für die Ewigkeit gemacht erschien,
in einem Winter, der schier unbegrenzt.
Wie wetterwendisch schnell das Bild sich
wendet,
wenn sich die Gegenwart erst eingestellt,
ein Rückblick auf Vergangenheit ist eher
verschwendet:
der Schnee von gestern – war die gestrige Welt.

Montag, 22. Februar 2010

Enfremdung

Schleichend still, ganz unaufhaltsam
hat man sich von einander entfernt,
das Zuhören nach und nach verlernt,
die Bindung sacht gelöst, verdeckt die Scham.

Wie ein Trabant, der seinem Stern entflieht,
der ihn einst hielt in seiner Bahn,
ihn nun entlässt, ihn nicht mehr halten kann,
jetzt zusehen muss, wie der Trabant sich ihm entzieht.

Was einst so inniglich verbunden
durch eine unerklärte Macht,
das hat sich losgelöst, sich aller Bindung frei gemacht
und durch Entfremdung seinen Schluss gefunden.

Samstag, 20. Februar 2010

Des Pudels Kern

Ein Pudel, der aus Unterlüß,
die Enge dieses Orts verließ,
gleichwohl ´s ihm gut ging da Zuhaus,
wanderte er nach Hamburg aus,
weil jemand ihm geflüstert hat,
dass Hamburg eine tolle Stadt.
Schon in der Rothenbaum-Chaussee
erfasste ihn das Liebesweh,
das man bekanntlich heilen kann
bei „Damen“ auf der Reeperbahn.
so schritt er denn, wie ´s Pudelart
gelockt, geschoren schnell zur Tat.
Zur Großen Freiheit Nr. sieben
hat ihn dann sein Instinkt getrieben.
Dort streunte Heidewachtel „Daisy“
blond eingefärbt, ein wenig crazy.
Der Pudel war davon entzückt
und ist ihr auf das Fell gerückt.
Ein Pitbull aber sah die Beiden
und konnte dieses gar nicht leiden.
Nun hat ein Pitbull ganz gewiss
ein starkes , fürchterlich Gebiss.
Bevor dies dann zum Einsatz kam,
erfasst den Pudel Furcht trotz Scham;
klemmt seinen Schwanz zwischen die Beine
und zog gedemütigt dann Leine.
Versteckte sich noch eine Weile,
ganz froh, dass Fell und Knochen heile.
Die Schnauze voll, die Stimmung mies:
zurück nach Celle-Unterlüß!
Wieder zu Hause angekommen,
hat Frauchen ihn froh aufgenommen.
Damit das nicht noch mal passiert,
wird er beim Tierdoktor kastriert.
Als Ausgleich für entgangene Lust
gibt’s Schokolade gegen Frust.
Beendet man ein Hundeleben,
muss man nur Schokolade geben!
Der Ausdruck: man fühlt pudelwohl sich
ist hier doch sehr verwunderlich!
Was wirklich ist des Pudels Kern
man aus der Geschichte lern:
wer immer nur zu Kreuze kriecht,
bei dem wird jede Lust besiegt,
die er an seinem Leben hat.
Er endet schließlich als Kastrat!

Donnerstag, 18. Februar 2010

Liebe missachtet

Deine Liebe hat mich längst verlassen.
Ich nahm sie im Alltag gar nicht wahr,
kann mich dafür von ganzem Herzen hassen
und weiß es dennoch nicht warum ´s geschah.

Ist Liebe doch das größte der Geschenke,
die man nicht unbeachtet liegen lässt
wie etwas, dass sich nur aufdrängte,
die Kostbarkeiten hält man doch wohl fest!

So aber bleibt nur einzig das Bedauern,
als rück gebliebener, bitterer Bodensatz.
Es hilft die Wehmut nicht, nicht trauern
über den endgültig verlorenen Schatz.

Freunde sein - in Güte zugetan;
für Liebe ist das keinerlei Ersatz.
Wie gern fing ich noch mal von vorne an,
doch hieß das aufzubrühen von bittrem Bodensatz!

Mittwoch, 17. Februar 2010

Wer verstört?

Märchen wurden gern gehört.
Eltern, die sie vorgelesen,
blickten plötzlich sehr verstört
wegen grausam, schrecklich Wesen.

Diskutierten alleweilen,
ob der schaurig schönen Schrecken
für die Kinderwelt, der heilen,
sollt´ man Märchen wohl verstecken?

Kinder, die man ausgesetzt,
Hexen, die im Ofen brennen,
Messer, die ein Räuber wetzt:
welche Untaten noch nennen?

Welche Wirkung hat es später,
wenn das Rumpelstilzchen sich
als ein Selbstmordattentäter
zerreißt – wie wahrhaft scheußelich!

Nein, so konnt ´s nicht weitergehen.
Märchen sind sofort tabu,
lasst die Kinder lieber fernsehen,
denn dann sehen sie nur zu.

Morden, schießen, strangulieren
in Filmen oder ganz real,
den Kleinen kann da nichts passieren,
sorgsam „abgeschirmt“ zumal.

„Fallada, der du da hangest“
für Kinderseelen zu brutal?.
Schau in ein Gesicht –ein banges
beim Programm im Fernsehkanal!