Mittwoch, 5. Dezember 2012

Walross



Fürwahr, es ist schon ein Koloß,
der in dem Meere sich bewegt.
Anmutig scheint indes er bloß,
wenn er nicht an den Strand er geht.

Speckmassig hoppelnd auf dem Bauch,
in Kolonien dicht gedrängt
mißmutig, zornig mitunter auch,
wenn sich der Bulle an das Weibchen drängt.

Schnurrbart geschmückt und lange Zähne,
gebogen ist das Elfenbein
ein glattes Fell, doch nirgends Mähne,
so plump kann doch ein Ross nicht sein!

Und da das Tier auch auf dem Fest –
Land sich ausruht ist ´s nicht mal
wie der Name schließen läßt
auch weder Pott- noch Buckelwal.

Ich frage mich, wie Biologen
zu dieser Namensfindung stehen!
Nicht Wal nicht Ross – alles gelogen.
Müßt euch mal den Koloß ansehen!

Dies kann man jetzt im Internet,
ein Filmchen wurd´im Zoo gedreht,
wo ihr den Walross-Bullen nett
beim Masturbieren seht.



Dienstag, 4. Dezember 2012

Dort nie gesehen...



Zuweilen gehe ich in den Zoo,
betrachte gern die braunen Bären,
die Tiere sind meinst drollig, so
als ob sie Teddybären wären.

In einem anderen Gehege
planschen Eisbären, wenn es heiß,
gehen sich übellaunig aus dem Wege,
paßt nicht zu deren unschuldig Weiß.

Die Kragenbären klettern gern.
Wenn die sich nicht vertragen
halten sie sich von einander fern.
Aha, deshalb der „Kragen“!

Mag gern vor den Gehegen stehen,
doch habe ich ihn schon vermißt:
konnt´ niemals einen Seebär´n sehen.
Wißt ihr wo der zu suchen ist?

Diktat des Zufalls



Zur falschen Zeit am falschen Ort
trifft häufig manche das Geschick.
Ein anderer sagt: Ich hatte Glück,
an diesem Tag war ich nicht dort!

Ist es des Zufalls Trefferquote,
ein Würfelspiel im Lauf des Lebens,
wo „ungewollt“ ist stets vergebens,
Mißklang durch eine falsche Note?

Was immer einem Menschen zugestoßen,
es war niemals bewußt gelenkt,
der Zufall immer blind – er schenkt
dir nichts im Kleinen wie im Großen!

Montag, 3. Dezember 2012

Entzweit - vereint



In einem Worte sind vereint
die Substantive „Spinne“, “ Feind“.
Wieso man diese so vereint
zu dem Worte „spinnefeind“
ist doch wohl nicht ernst gemeint!

Man kann im Chor zusammen singen,
doch Feinde nicht zusammenbringen
indem man sich damit behilft
Hauptwörter zum Adjektiv verschmilzt.

Zu einfach wäre Germanistik,
bediente man sich solchem Trick.
Man hat ´s versucht an „Tod“ und „Feind“
zum Adjektiv wurd ´s nicht vereint!

Sonntag, 2. Dezember 2012

Sinn der Weihnachtsmärkte?


Welch buntes Treiben auf den Weihnachtsmärkten,
von Kitsch und Kunstwerk reich bestückt.
Und ehe Besucher dieses merkten
hat man die Industrie beglückt!

Aus Billigwein mit Zucker, Zimt
wird aufgeheizt die Glühweinbrühe
und wenn man davon zuviel nimmt
brummt dir der Schädel in der Frühe.

Es fehlen Bratwurst nicht und „Pommes“,
von fern erklingt noch „Stille Nacht“,
denn Weihnachtsmärkte sind was Frommes,
speziell für Christen wohl erdacht.

Doch fragt man, was der Sinn wohl ist,
dann sind sich alle einig.
Es antwortet der Atheist
genauso wie der fromme „Christ“:
„Ich weiß es nicht“, wie peinlich!

Samstag, 1. Dezember 2012

Pinguin



Am Südpol lebt der Pinguin
Frackhemd gewandet sieht man ihn
plattfüßig wie in ´ner Kellnergruppe
watscheln. Eiseskälte ist ihm schnuppe.
Und weil er auch ein Bodenbrüter,
ist er ein guter Nestbehüter,
derweil der Partner Stundenlang
zur Nahrungshilfe Fisch verschlang.
*
Ich mag nicht still sitzen und brüten,
genau davor sollt man sich hüten.
Ich friere leicht. Da gibt es Sinn,
daß ich – Gott sei´s gedankt – kein Pinguin!

Werteverlust



Der Mensch lebt mit dem Widersinn:
er seihet Mücken, verschluckt aber die Kamele,*
nimmt Schaden so an Körper und an Seele.
Er weiß`s, doch er schaut bewußt nicht hin.

So auch der Splitter in des Nächsten Augenlicht:
er übersieht den Balken, der ihn blendet.
Was Wunder also, wenn das alles endet
in Ungerechtigkeit. Darüber spricht man nicht!

Voll Heuchelei hält man von außen reinlich*
die Becher und die Schüsseln blitzeblank.
Von innen aber sind sie voll, denn dank
maßlosen Raubes sind sie gefüllt so reichlich!

* Matthäus 23/24