Donnerstag, 6. August 2015
Seltsam
Ein Bachstelzchen wippt Stert bewehrt
fröhlich auf unserem Rasen.
Es fühlt sich da ganz unbeschwert,
weil wir ´s in Ruhe lassen.
Doch hab´ beim Hinsehen ich entdeckt,
seltsam gezeichnet sein Gesicht:
es ist ganz sonderbar gefleckt.
woher das kommt, ich weiß es nicht.
Ich ahne, daß ´ne Stelze ging
mal fremd mit einem anderen Gefieder,
an dem sie wohl mit Liebe hing!
So etwas geschieht schon hin und wieder
Mittwoch, 5. August 2015
Räuberhöhle
Mein Herz ist eine Räuberhöhle,
ein Ort für Beute, die ich stehle.
Mal hier ein Herz, dort Sympathie,
Freundschaft zuweilen, doch Hass nie!
Ich stehle alles was mir lieb
und teuer an Gefühlen blieb
Mein Herz ist Tresor der Gefühle
geöffnet ich darinnen wühle
und stelle fest: Gefühleschatz
ist wirklich an dem rechten Platz
Dienstag, 4. August 2015
Großwildjagd
Großwildjagd – ein Machtgefühl
für ganz niedrige Charaktere
dieser Mensch taugt nicht sehr viel!
Ach, wenn ´s nicht so traurig wäre,
nicht nur Geltung – Mordgelüste
ausgelebt, wenn ´s nicht bestraft,
jeder, der es besser wüßte
tut als wär er unbedarft!
Mir als Jäger fiel ´s nicht ein*
zu nied´rem Zweck ein Tier zu töten
und damit bin ich nicht allein.
Strenge Strafen wären von Nöten!
*Trophäensammlung lehne ich strikt ab.
Deshalb nehme ich auch an keiner Jagdgesellschaft mehr teil.
Mit sich allein
Nächtens durch enge Gassen schlendern
wenn spärliches Laternenlicht
Konturen wandeln, sie verändern,
der Schritte Klang sich drunter mischt.
Allein so durch die Nacht zu schreiten
wo jeder Laut sich selbst verstärkt
kann Rückenschauer schon bereiten,
wenn fremde Schatten man bemerkt.
Wer einsam ist, der liebt die Szene
er ist ´s gewohnt mit sich zu sein,
erkennt im Schattenspiel das Schöne
und freut sich nicht allein zu sein!
Montag, 3. August 2015
Pauschal Urtei
Verallgemeinern ist meine Sach´
macht das Leben mir höchst einfach.
DIE – und damit sind gemeint
alle Leute, die vereint
meine Ansichten nicht teilen
und DIE, in deren Gesellschaft
sie verweilen.
Heißt in Gesellschaften zu leben,
die Anlaß zur Kritik mir geben.
DIE, das sind pauschal gesehen
alle, die mich nicht verstehen,
denn es gilt doch der Primat
einer nur das Recht hier hat.
Selbstverständlich bin das ICH
gut und allwissend an sich!
DIE, das sind gerade DIE
welche anders irgendwie.
Verallgemeinern, meine Sach`
denn schließlich bin ich doch vom Fach!
Sonntag, 2. August 2015
Keine Schmuddelecke
Die Hängeulme dacht die Gartenhecke
im Beet, gesäumt mit nied´rem Buchs,
gedeihen Farn und Funktien und zum Zwecke
der grünen Wand am Zaun EURONIMOUSSbewuchs.
Davor der Brunnen mit den Löwenköpfen
aus deren Mäulern Wasser fließt.
Gerahmt mit Terrakotta-Töpfen,
das Auffangbecken in das es sich ergießt.
Im Rechten Winkel die Garagenwand,
sie ist mit Kletterhortensien bedeckt,
die große Tuja an dem Rand
den Wasseranschluß samt dem Schlauch versteckt.
So wird aus unansehnlich Ecken
gestaltet, was das Auge freut
und Lust am Garten kann erwecken
zu dieser schönen Sommerzeit!
Samstag, 1. August 2015
So scheint es uns
Der August – nicht gemeint der „Dumme“
hat nun das Regiment erhalten.
Der Sommer war in seiner Summe
bisher gefühlt doch sehr verhalten.
August(us)* - namentlich erhaben –
wird zeigen, was in ihm noch steckt,
ob wir bei schönem Wetter baden
und ob noch manches Eis geschleckt.
Nehmen wir ´s als nicht änderbar,
der Mensch zumal ist nie zufrieden,
meint, daß es früher besser war,
obgleich er doch am selben Ort geblieben!
* lat. der Erhabene
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