Sonntag, 31. August 2008

Labyrinth

Gedanken irren, wie ich find,
zuweilen wie im Labyrinth.
Wie suchend sie sich auch bemühen,
die Gänge vom Gehirn sich ziehen
in Richtungen, wo sich am Ende
kein Ausgang und kein Licht befände.
Sie scheinen sich entlang zu tasten
von Gang zu Gang, doch ohn´ zu rasten,
in der Erwartung, dass zum Schluss
sich auch ein Ausgang finden muss.
Stets der Gewissheit auch gewahr
von jener schrecklichen Gefahr
des Minotaurus, der dort ist
und liebend gern Gedanken frisst.
Hätt´ man wie Theseus einen Faden,
dann könnte dir kein Irrweg schaden.
Darum, wenn ein Gedanke reift,
man gern zum roten Faden greift.
Durch diesen Trick, der sehr minoisch,
wird hektischer Gedanke stoisch.

Freitag, 29. August 2008

Kriegsgott Mars


Du kommst daher in schimmernder Rüstung.
Dein Gebrüll erschreckt die Friedfertigen,
die du mit wehendem Helmbusch vor dir hertreibst.
Du verführst die Gierigen mit dem Versprechen
reicher Beute
und Ströme von Blut hinterlässt du als Spur
deines Weges.
Aber deine Zunge ist die einer Schlange:
zwiespältig und verlogen kannst du
deine Verlockungen nicht einlösen.
Du mahlst mit deinem Streitwagen alles nieder
und entschwindest höhnisch lachend
zu anderen Plätzen deiner Untaten.
Trauer, Enttäuschung, Tod und Verderben
bei allen: die, die du bekämpft
und bei denen, die dir folgten.
Du hast ihre Habe zerstört
und schlimmer: IHRE SEELEN.
Fluch deiner Verführungskunst!
Fluch und Schande über die,
die dich riefen, dich den VERDERBER!

Donnerstag, 28. August 2008

Bewegungsmangel

Das Atmen schwer- und schwer auch das Gewicht.
Allein vom Essen kommt das nicht!
Der Blutdruck steigt und die Erregung,
dein Körper schreit:
„du brauchst Bewegung!“
Da reicht auch nicht das Bierglas heben,
denn das verkürzt erst recht dein Leben.
Du musst nicht nur im Sessel sitzen,
versuch ´s mit 100 Liegestützen
und einem Tausend- Meterlauf,
dann hört das Keuchen zwar nicht auf,
doch kannst du dir dann sicher sein,
das kommt von keinem Zipperlein.
Dein Arzt, der diesen Rat erteilt,
sich sicherlich hernach langweilt,
weil der Patientenstrom hinschmilzt.
Ein Zustand, den du gar nicht willst:
du hast von Arztarmut gelesen
und bist doch ein soziales Wesen!
Kurzum, du ignorierst den Rat –
weil der auch Unbequemes hat!

Mittwoch, 27. August 2008

Gingo

Merkwürdig bist du –
rätselhaft,
du älteste Baumart
dieser Welt.
Wie hast du dieses
nur geschafft?
Du Nadelbaum,
gleichwohl
man dich für
einen Laubbaum hält!
Und deine ungeahnten
Kräfte
entfalten heilsam
sich als Säfte
und stärken so
Gehirn und Geist.
Dein Blatt der Liebe
Wege weist,
als Herzform
golden angesteckt,
begehrlich es die
Blicke weckt.
Der Herbst jedoch
dich auch entkleidet.
Was mir die Lust
an dir verleidet.

Dienstag, 26. August 2008

Gerücht


Vermutung, so daher gesagt,
nicht recherchiert, nicht nachgefragt,
aus Klatschsucht oder Langeweile
verbreitet ´s sich mit Windeseile
von Mund zu Mund, von Ohr zu Ohr,
stets etwas anders als zuvor.
So macht es bald von Stund zu Stunde
als Rufmord seine schlimme Runde
und jeder gute Leumund wird
auf diese Weise schnell zerstört.
Den Urheber von all dem Schaden
kann vor Gericht man kaum wohl laden,
denn niemand weiss am Ende mehr
„wo kam denn das Gerücht wohl her?“

Samstag, 23. August 2008

Sturzregen

Dicke graue Wolkenmassen
brechen unter schwerem Nass.
Wasser stürzt so unaufhaltbar
wie aus dem zerborst´nen Fass.
Tropfen klatschen und zerspringen.
trommeln wild auf Pflaster, Dächer,
strömen stärker mal, mal schwächer,
wenn die Urgewalten ringen.
Plötzlich – nur noch leises Rauschen
und am Himmel wird es licht,
grau und blau sich nunmehr tauschen.
Die Natur beherrscht man nicht.

Freitag, 22. August 2008

Grüner ist es hinterm Zaun

Friedlich grasen auf der Weide
Kühe langsam vor sich hin,
dass Gedränge man vermeide,
hält man Abstand, das gibt Sinn.
Ihre Zungen greifen kräftig,
rupfen, zupfen ziemlich flott
in die Mäuler und gemächlich
zieh`n sie vorwärts in dem Trott.
Kopf gesenkt geht ´s in die Runde,
schlingen, kauen ist da nicht,
nur die eine, die Schwarz-Bunte
entzieht sich dieser Reihenpflicht.
Denn die grünsten Gräser stehen,
da wohl hinterm Weidedraht,
wurden dort sofort gesehen,
sie sich der Umzäunung naht.
Steckt den Kopf zwischen die Drähte
fürchterlich ist das Erschrecken,
wenngleich ihr `s so weh nicht täte,
sah man viere von sich strecken.
Was die dumme Kuh erfuhr,
mancher Mensch noch nicht begreift,
dass das grüne Gras nicht nur
ausserhalb der „Weide“ reift.