Samstag, 27. Februar 2010

nahebei

nahe ganz nahebei
liegen freud und leid
dennoch trennt sie
einer ozeanweite gleich
die beiden
blaue stunde schwarze trauer
überschäumende wellen
verlieren sich in salziger flut
nahebei grünende hoffnung
tiefschwarze verzweiflung
dazwischen
du
ich
wir
alle nahebei
ganz nah getrennt
zufluss aber nicht zusammenfluss
parallelen
schneiden sich erst
im unendlichen

nahebei


nahe ganz nahebei
liegen freud und leid
dennoch trennt sie
einer ozeanweite gleich
die beiden
blaue stunde schwarze trauer
überschäumende wellen
verlieren sich in salziger flut
nahebei grünende hoffnung
tiefschwarze verzweiflung
dazwischen
du
ich
wir
alle nahebei
ganz nah getrennt
zufluss aber nicht zusammenfluss
parallelen
schneiden sich erst
im unendlichen

Freitag, 26. Februar 2010

Springender Punkt

Ein Punkt, der mickrig, klein und mies
stets immer stand am Ende,
was ihn auf Dauer wohl verdrieß,
der wollte eine Wende.
Am Anfang eines Satz´ zu stehen,
dacht´ er das wär ein Traum:
keiner wird ihn übersehen,
denn am End` beachtet man ihn kaum.
In einem günstigen Moment
als niemand daran dachte,
da sprang er denn von seinem End
zum Satzanfang ganz sachte.
Ein Freudensprung für ihn – fürwahr
er fühlt sich richtig groß,
er stand ganz vorn am Anfang da.
Doch was geschah da bloß?
Als er sich erstmal umgeschaut,
da wurde ihm gleich klar,
der Platz war ihm so sehr vertraut,
weil das erneut das Ende war.
Das Ende von dem Satz vorher,
der Punkt war irritiert,
er tat sich mit Erkenntnis schwer,
dass er sich wohl geirrt.
Es springt ein Punkt mal her mal hin,
verlässt nie die Funktion,
das gibt nicht nur für Punkte Sinn
auch Leben ist Interpunktion!

Donnerstag, 25. Februar 2010

Vorfrühling

Es bricht aus dunkler Kruste
vorwitzig spitzig Grün,
grad so als ob es wusste,
dass frost´ge Tage fliehen.

Auf Frost befreiten Wiesen
Schwarzdrosseln Würmer suchen
Schneeschmelzen wie Bächlein fliessen
und bilden kleine Furchen.

Noch reckt die blasse Sonne nicht
sich auf den hohen Stand.
Nicht strahlend – milchig ist ihr Licht,
so reicht der Vorfrühling die Hand.

Mittwoch, 24. Februar 2010

geschwärzt

Gefährlich ist der Worte Wahl,
um Unrecht anzuklagen.
sie fordern Opfer ohne Zahl,
wenn Menschen freie Rede wagen.

Geschwärzt Passagen in den Schriften
die dicken Balken zeigen an,
hier will ein Mensch das Volk vergiften.
Wir, die Despoten hindern ihn daran!

Vertuschen, schweigen, drangsalieren,
die Sonne bringt es nicht ans Licht
und sollte trotzdem es passieren,
so schwärzen sie nach derer Sicht.

Mit Mustern schwarz auf weißen Seiten
verkünden die, die was verstecken:
wir diskutieren nicht und streiten,
wir wissen wir haben Dreck am Stecken!

Dienstag, 23. Februar 2010

Schnee von gestern

Die dichte, weiße Flockenpracht,
die gestern noch herab gerieselt,
die uns entzückt, doch Arbeit auch gemacht,
sie schmilzt zu grauem Matsch
und Regen pieselt,
vereint sich mit dem Schmelz zu
kladderadatsch.
Es schmuddelt schmutzig vor sich hin,
was prächtig einst geglänzt,
wie für die Ewigkeit gemacht erschien,
in einem Winter, der schier unbegrenzt.
Wie wetterwendisch schnell das Bild sich
wendet,
wenn sich die Gegenwart erst eingestellt,
ein Rückblick auf Vergangenheit ist eher
verschwendet:
der Schnee von gestern – war die gestrige Welt.

Montag, 22. Februar 2010

Enfremdung

Schleichend still, ganz unaufhaltsam
hat man sich von einander entfernt,
das Zuhören nach und nach verlernt,
die Bindung sacht gelöst, verdeckt die Scham.

Wie ein Trabant, der seinem Stern entflieht,
der ihn einst hielt in seiner Bahn,
ihn nun entlässt, ihn nicht mehr halten kann,
jetzt zusehen muss, wie der Trabant sich ihm entzieht.

Was einst so inniglich verbunden
durch eine unerklärte Macht,
das hat sich losgelöst, sich aller Bindung frei gemacht
und durch Entfremdung seinen Schluss gefunden.