Samstag, 30. April 2011

Nur Zuschauer

Willst die Erde nicht verlassen?
Bühne war sie für dich nicht,
all deine Liebe, all dein Hassen
stand nicht in dem Rampenlicht.

Auf den Brettern, die begehrlich
für das Weltgeschehen sind,
bist Spektator du, wenn ehrlich,
dich im Publikum man find.

Also hast du zugesehen
aufmerksam und teilnahmsvoll,
fragst zu dem was da geschehen,
was das Publikum wohl soll?

Vorhang schließt, die Bühne tobt.
Zuschauer sind ausgesperrt.
Verlaß die Welt und sei gelobt,
machtest nichts und nichts verkehrt!

Donnerstag, 28. April 2011

Vertrauensverlust

Du fragst mich nicht –
doch will ich Anwort geben,
denn Stummheit zeichnet dein Gesicht.
So willst du als mein Richter dich erheben.

Ich war nicht immer sehr gerecht,
das kann wohl keiner letztlich sein.
Es hat das Leben sich gerächt,
trieb unerbittlich Schulden ein.

In Treue fest stand ich jedoch zu dir.
Nie hat verführt mich der Verrat,
voll Unschuld stehe ich also hier.
Nicht reut mich irgendeine Tat.

Du schweigst – und schaust,
bin dir das Wort nicht einmal Wert.
Allein wie deine Stirn sich kraust:
so wird Verständigung erschwert!

Verächtlich wendest du dich ab,
weil dir der Glaube an mich fehlt.
Wo einst ein Wort das andere gab,
ist das Vertrauen ausgehöhlt.

Mittwoch, 27. April 2011

Deutsche Sehnsüchte?

Oh, Deutschland deine Hochgeborenen
Adeligen sind auserkoren
fremde Throne zu besteigen.
Mögen dies die Völker leiden,
deren Prinzen und Regenten
aus eigenem Lande stammen könnten?
So ist Deutschland Lieferant
von Luxemburg bis Engeland.
Nur im Lande selbst, dem tristen
Gibt es kaum noch Royalisten,
weil der Adel – dies ist wahr –
nie für einig Deutschland war.
Flickenteppich – Deutsche Landen,
dort wo Adelsschlösser standen.
Galt man nicht als wohlgeboren
hat man den Respekt verloren.
Adelig sein – nur dieses zählte
auch wenn ´s an Gesinnung fehlte.
Darum könnt ihr sie behalten,
glanzvoll? Nein Jammergestalten,
die auf Volkes Kosten leben,
müßt ihnen die Bühne geben,
die man einst für sie erfand
in Deutschland – Operettenland!

Dienstag, 26. April 2011

Mensch contra Mitmensch

Trink die Milch, die deine Denkart
nährte bis zu dem Erwachen
als ein Riff die Lebensfahrt
deines Schiffes bracht zum Krachen.

Einsicht hast du nie gezeigt,
warst für Ratschlag niemals offen.
Jedem, der dir zugeneigt
hat dein Spott getroffen.

Letztlich bist du nun gescheitert,
aller Hochmut ist verflossen
Eitelkeit - die Wunde eitert
wird so schnell auch nicht geschlossen.

Schwarze Milch die Denkart trübt,
hast übermäßig sie genossen
Nachsicht hast du nicht geübt,
Tränen deinetwegen flossen.

Mögen Götter dir verzeihen,
die dich allzu oft verführt
und die Gnade dir verleihen,
die dich niemals angerührt!

Wenn man etwas nicht kennt

Ein Petz, der seinen Winterschlaf
beendet hat, weil kein Bedarf
an weit´rer Untätigkeit bestand,
verließ die Höhle und sein Land.
Er meinte, daß die Wanderschaft
Leib und Seel´gäb neue Kraft.
Denn wirklich Neues zu erfahren
war schon sein Wunsch seit vielen Jahren.

So zog er in die Welt hinaus,
doch ging ´s nicht wie erwartet aus.
Kaum, daß er Bayern-Land betrat,
eine Kugel ihn getötet hat.
Ein Wesen, das so sehr behaart
in Bayern nichts zu suchen hat.

Ein Preuß - so dacht der Bayer sich
als ihn die dunkle Furcht beschlich.
Denn haarig kann man es wohl heißen,
trifft so ein Bayer auf ´nen Preußen!

Natur kennt kein Erbarmen

Die blaue Kuppel wird befleckt
durch weiße Wolkenfetzen.
Bald ist der Himmel ganz bedeckt,
weil Winde sie zu Türmen hetzen.

Die Sonnenstrahlen nicht durchdringen
den grauen Vorhang, der sich schließt,
vergeblich sie um Lücken ringen
des Phoebus Schwäche ihn verdrießt.

Aus Wolkenschwere fallen Tropfen,
zerplatzen auf dem staubig´ Grund
und mehr und mehr von ihnen klopfen
wie Trommelschläge Stund` um Stund´.

Das Rinnsal wird zum schwellend Bach,
kein Halten gibt es vor der Flut,
kein Damm bietet dem Wasser Schach,
es reißt, zermalmt in seiner Wut.

Hat er geglaubt Natur zu zähmen?
Oh, Mensch in Überheblichkeit
mußt es ertragen – mußt ´s hinnehmen.
Erbarmen nicht, das dich befreit.

Montag, 25. April 2011

Kritik

Schwer ist es ein Gedicht zu schreiben,
am besten ist ´s man läßt es bleiben!
Der jambisch, der trochäisch Rhythmus
scheint der Weisheit letzter Schluß
und das Versmaß heben, senken,
wer ´s nicht kann der soll ´s sich schenken,
anders wie sein Werk verrichten
ganz aufhören mit dem Dichten!
Also schreibt der Kritikus,
das, was er nun schreiben muß.
Regeln sind strikt einzuhalten,
so ist Dichtung zu gestalten!

Beschämt ist der, der dies geschrieben.
Könnt ´ er nur andere Hobbies lieben!
Doch dies ist leider nicht der Fall:
Wat dem en sin UHL is dem andern sin Nachtigall!

Gedicht entstand aufgrund wohlmeinender Kritik von Paul Uhl