Mittwoch, 31. Oktober 2012
Unglückliche Welt
Es steckt ´ne Gräte mir im Hals,
es schwillt die Röhre für die Luft,
wenn keiner einen Doktor ruft,
ersticke ich wohl allenfalls.
Die Gräte, die die Luft abdrückt
stammt nicht von einem Fisch,
Berichte sinds aus Medien,
die auf meinem Tisch.
Unglaublich Ungerechtigkeit,
die macht mich schier verrückt.
Ihr fragt mich, was mich so geschockt?
Nehmt all das ganze Weltgeschehen,
das wir in jeder Zeitung sehen:
auch Euch der Atem stockt!
Dienstag, 30. Oktober 2012
Machtlosigkeit im Zufall
Ach, Mensch, wie klein ist dein Vermögen
stellt die Natur sich dir entgegen.
Erdbeben, Wasser, Stürme reichen,
um deinen Hochmut zu erweichen.
Angstvoll beschwörst du jene Mächte,
damit man dich verschonen möchte.
Und ´s war doch grad die Höhere Macht,
die alles nun zunichte macht!
Als Strafe nimmst du ´s fürs Verhalten,
doch jene Kräfte, die da walten
sehen deine mickrigen Taten nicht
und halten folglich nicht Gericht.
Ganz gleich, wem du dein Flehen sendest,
ob du davon kommst oder endest
liegt an dem Ort und an der Zeit.
Die hält der Zufall dir bereit!
Versteck spielen
Asinus und Asina
sind ein tolles Eselpaar.
Auf der Weide steht ganz stumm
traurig Asina herum.
Förster Ewald, unruhig brütend,
ist auf Asinus stink wütend!
Stundenlang nach dessen Flucht
hat er Asinus gesucht,
im Wald – sogar die Autobahn
ist Ewald nach ihm abgefahr´n.
Ein blöder Esel ist wohl der,
der ausreißt, dies per Anhalter.
Dem Langohr fehlt zudem auch meist
der Daumen, der die Richtung weist.
Ein Esel hat zwar lange Beine,
doch diese tun es nicht alleine.
Zwar unberockt doch sehr behaart
sind weder schön sie noch apart.
Des Försters Mühe so vergeblich.
Asinus grinst überheblich
hinter einer dichten Hecke.
Diese dient ihm als Verstecke.
Hochmut, Überheblichkeit,
darüber besteht kein Streit,
enden schneller als gedacht.
Asinus – gib auf dich acht!
Montag, 29. Oktober 2012
Was heißt hier komisch?
Was heißt hier komisch?
Ich bin ein Mensch. Na klar, was sonst?
Hin und wieder fügt man meinem biologischen Status hinzu: komisch – also ein komischer Mensch.
Diese Bewertung bezieht sich jedoch nicht etwa auf Humor – so als wäre ich Mitglied der Lach & Prust Gesellschaft. Man meint hier vielmehr etwas anderes, kann es aber sprachlich nicht treffend ausdrücken. Komisch könnte verrückt, eigenartig, spießig, verletzlich, eigenbrödlerisch oder alles zusammen und mehr sein.
Warum sagt man es mir nicht in einfachen Worte: Du bist...
Will man hier ein mehr undeutliches negatives Urteil ausdrücken wie z.B. ein Gerichtsurteil mit dem Zusatz „auf Bewährung“? Wem gegenüber müßte ich mich demzufolge bewähren? Meiner Familie, dem Nachbarn, dem Arbeitgeber oder anderen Instanzen gegenüber, die mit Strenge oder Milde auf mich herab blicken. Würde ich daran glauben, stände ich dereinst vor Petrus, der mich dann mit den Worten empfangen würde: „Für komische Kerle haben wir hier keinen Platz, also schleich dich!“
Komisch diese Vorstellung – oder sollte ich besser sagen: unrealistisch.
Denn im Himmel gibt es nicht „komisch“ wie Petrus ja gerade bezeugte, da gibt es nur „kyrieleison“, das ist griechisch und wie wir aus jüngster Vergangenheit wissen also überhaupt nicht komisch!
Ich kann jedenfalls tun und lassen, was ich will, immer heißt es ich sei komisch und passe nicht in diese Welt all der Ehrlichen, Fleißigen, Frommen und sonstwie Gütigen, die es komisch finden, daß ich komisch bin.
Da lach ich mich doch kaputt... wie sind die denn drauf...einfach komisch, haben es nicht so mit dem Humor.
Ich bin ein Mensch. Na klar, was sonst?
Hin und wieder fügt man meinem biologischen Status hinzu: komisch – also ein komischer Mensch.
Diese Bewertung bezieht sich jedoch nicht etwa auf Humor – so als wäre ich Mitglied der Lach & Prust Gesellschaft. Man meint hier vielmehr etwas anderes, kann es aber sprachlich nicht treffend ausdrücken. Komisch könnte verrückt, eigenartig, spießig, verletzlich, eigenbrödlerisch oder alles zusammen und mehr sein.
Warum sagt man es mir nicht in einfachen Worte: Du bist...
Will man hier ein mehr undeutliches negatives Urteil ausdrücken wie z.B. ein Gerichtsurteil mit dem Zusatz „auf Bewährung“? Wem gegenüber müßte ich mich demzufolge bewähren? Meiner Familie, dem Nachbarn, dem Arbeitgeber oder anderen Instanzen gegenüber, die mit Strenge oder Milde auf mich herab blicken. Würde ich daran glauben, stände ich dereinst vor Petrus, der mich dann mit den Worten empfangen würde: „Für komische Kerle haben wir hier keinen Platz, also schleich dich!“
Komisch diese Vorstellung – oder sollte ich besser sagen: unrealistisch.
Denn im Himmel gibt es nicht „komisch“ wie Petrus ja gerade bezeugte, da gibt es nur „kyrieleison“, das ist griechisch und wie wir aus jüngster Vergangenheit wissen also überhaupt nicht komisch!
Ich kann jedenfalls tun und lassen, was ich will, immer heißt es ich sei komisch und passe nicht in diese Welt all der Ehrlichen, Fleißigen, Frommen und sonstwie Gütigen, die es komisch finden, daß ich komisch bin.
Da lach ich mich doch kaputt... wie sind die denn drauf...einfach komisch, haben es nicht so mit dem Humor.
Sonntag, 28. Oktober 2012
Letzte Schritte
Die Nacht hatte mir einen merkwürdigen Traum geschenkt.
Ich stand am jenseitigen Ufer des Flusses „Ohne Wiederkehr“ und erblickte auf der anderen Seite meinen Lebensweg, wie er sich aus dem Dunstnebel der Vergangenheit zum Flusse wand. Als Jungspund schritt , nein hüpfte ich auf diesem Pfad, als sich mir ein lachender Narr anschloß und mich ungefragt begleitete. Er tanzte vor mir her, verführte regelrechte Bocksprünge und animierte mich es ihm gleichzutun. Ich wollte kein Spielverderber sein und so tat ich es ihm gleich. So zogen wir lachend und hüpfend ein Stück Weges entlang bis es ihm einfiel mich zu verlassen. „halt“, rief ich ihm nach, „wie ist dein Name?“ „Bruder Leichtsinn“ war die Antwort bevor er sich meinen Blicken entzog.
Nur eine Kurze Zeit später sah ich ein leicht bekleidetes Mädchen am Wegesrand, eine verführerische Schönheit.
Ohne zu fragen hake sie sich bei mir ein und begann mich zu küssen. Muß ich erwähnen welche leidenschaftliche Umarmungen und Handlungen dann folgten? Offenbar hatte sie nach einiger Zeit und einer kurzen Wegstrecke genug von mir. Sie verweigerte mir weitere Vergnügungen und trennte sich mit einem widerlichen Lachen von mir. „Wie ist dein Name?“ fragte ich empört. „Wohlwollende nennen mich Leidenschaft, Enttäuschte sagen Lüge zu mir, mein wirklicher Name aber ist Untreue“! Entgeistert setzte ich meinen Weg fort.
Da stürmten plötzlich vom Wegesrand zwei häßliche Gestalten auf mich zu. Sie packten mich an den Oberarmen
und trugen mich zappelndes Etwas über eine weite Strecke meines Lebensweges. Wenn sie ermüdet halt machen wollten, trieb ich sie mit Worten an: „Weiter, weiter, keine Müdigkeit vorschützen!“
Da saß mitten auf dem Weg ein kleines Kind, das bitterlich weinte. Ich bat die beiden Herren mich abzusetzen, denn ich wollte mich um das Kleine kümmern – nicht im eigentlichen Sinne – sondern eher um meine Neugier zu befriedigen. „Hauen wir ab,“ sagten beide fast gleichzeitig, „Verantwortung ist nicht unser Ding.“ „Halt“, rief ich, „mit wem hatte ich es zu tun?“ „Gier und Neid“ antworteten die häßlichen Brüder.
Ich ging auf das Kind zu und fragte neugierig aber im mitleidig geheucheltem Ton, warum es denn so trauere.
„Ich weine um Dich,“ schluchzte das Kind wobei es mich mit seinen unschuldigen Augen fixierte. „Ich habe dir täglich reichlich Geschenke gebracht, du nahmst sie ohne Dank und ohne daß du mir irgend etwas zurück gegeben hast, das ist der Grund meiner unstillbaren Traurigkeit.“ Ich wollte das Köpfchen zum Trost streicheln
doch das Kind entzog sich mir. „Wie heißt du,“ wollte ich noch wissen. „Ich heiße Liebe, die Allumfassende,
geh, der Fährmann wartet schon!“
Richtig, ich war am Ufer des Flusses angekommen. Ohne weiteres Wort stieg ich zum Fährmann ins Boot.
Dieser sagte kein Wort, sondern setzte seltsam lautlos über. Alles geschah in einer Stille, die schmerzte.
Am anderen Ufer angekommen fragte ich beklommen, was sein Lohn für seine Bemühungen sei.
„Du hast schon bezahlt – mit deiner Einsamkeit!“ Damit verschwand er samt seiner Fähre.
Mit Wehmut blickte ich ans andere Ufer des Flusses „Ohne Wiederkehr“ auf meinen Lebensweg.
Dann tat ich die Letzten Schritte. Sie verhallten nicht, denn das Moor der Traurigkeit dämpfte ihren Klang.
Doch jeden Tag geht die Sonne wieder auf und leuchtet uns auf unserem Weg, damit wir uns vor uns selbst nicht fürchten müssen!
Samstag, 27. Oktober 2012
Der (S)türmer
Zum Kicken geboren, zum Köpfen bestellt,
den Toren verschworen , die Fußballwelt.
Ich schieß aus der Ferne auch aus Strafraumnäh,
sehe manchmal auch Sterne – ach tut das weh!
So bin ich vor allem des Trainers Zier
den Fans zu gefallen, dann gefall ich auch mir.
Ihr glücklichen Füße, was je ihr getreten,
den Ball ich küßte – ein Tor zum Anbeten!
ach, bin ich hinterhältig, Goethe kann sich doch nicht mehr wehren!
Flucht
Asinus und Asina
sind ein tolles Eselpaar.
Man hatte sich mit dem Zaun abgeschunden,
doch dann das Erwachen: Asinus ist verschwunden.
Sprang der Esel einfach über den Zaun,
um von den Ewalds abzuhauen?
Hat er auf seiner plötzlichen Flucht
den Eingang zu Asinas Weide gesucht?
Das ganze Theater ist den Ewalds nicht lieb.
Doch der Förster weiß, was Asinus antrieb.
Hatte er selbst sich doch vergangene Nacht
klamm-heimlich aus dem Staube gemacht,
hin zu Babette, die an der nahen Bar
seine nächtliche Favoritin war.
Voll Verständnis bleibt der Förster stumm.
Weh, wenn Frau Ewald wüßte warum!
Trotz aller Aufregung: wir können schweigen
denn Diskretion ist uns doch zu eigen.
Wer aushäusig Eseleien begeht
schweigt besser als wenn er dazu steht.
Asinus und Asina
sind ein schweigsames Eselpaar.
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