Dienstag, 2. Februar 2010

Mich schaudert

Ich seh´ im Spiegel mein Gesicht.
Es ist so fremd als kennt ich ´s nicht.
In meinem Innern steht das Bild der
Blütezeit.
Ich habe mich davon nicht befreit,
dem klaren Blick, der längst getrübt,
dem schelmisch Lächeln, von dem nichts mehr
blieb.
Dem dunklen Haar, das kühn gewellt,
die Lebensfreude,die die Brust geschwellt,
die altersschwabblig, Haar begraut
mir unansehnlich nun entgegenschaut.
Die äuß´re Hülle hat nicht überdauert.
„Verfällt so auch mein Sinn?“
denk ich erschaudernd.
So frisst die Zeit sich durch die Stunden
nicht allein,
sie frisst auch mich mit Haut und Haar,
frisst in mein Herz sich ein.

Nur Fragen

Wer kann des Menschen Wesen
wohl ergründen?
Die Wissenschaft der Evolution?
Kann Philosophie den Kern des
Wesens finden?
Entdeckt die Psychologie vielleicht
ihn schon?
Was meinte Sokrates mit „SEELE“?
Das Gleiche, was den Religionen vorgeschwebt?
Was würde es bedeuten, wenn sie dem
Menschen fehle,
er trotzdem in der Vorstellung von Ethik lebt?
Ist Wesen etwa angeboren, genbedingt?
Wird es in der Gemeinschaft nur gelebt?
Ist ´s also die Gesellschaft, die das Wesen
zwingt?
Ist das der Grund warum Verhalten auseinander
strebt?
Ich bin nicht klug genug das zu ergründen.
Nicht Antworten, mit Fragen muss ich
mich abfinden!

Montag, 1. Februar 2010

Dünnschichtig

Dünnschichtig

Erdlinge sind wir
aus dem Stoff, den der Planet
selbst generiert,
aus einer Kruste, die den
wahren Kern des Geodäten
nur kaschiert.

In seinem Innern tobt
die heiße Magnaflut,
auf der die Kontinente
schwimmend sich bewegen
und stetig, unsäglich langsam
treibt die Flut
die Platten hin zu den verheerend
Beben.

So wie die Höllenmasse
die Zerbrechlichkeit der Kruste deckt,
so deckt im Menschenhirn die
dünne Schicht unserer Kultur,
das, was an Wildheit drunter
steckt.
Tritt das hervor, verbleibt Entsetzen nur!

Freitag, 29. Januar 2010

Keine Lust mehr

Ich liebe das Gedichte-Lesen,
es offenbart des Dichters Wesen.
Zeigt, was er denkt, vielfach auch fühlt,
mal ist er feurig, mal unterkühlt;
zuweilen heiter, ganz nach Belieben,
auch traurig mal, was er geschrieben:
beeinflusst er – was Gott behüte –
des Lesers Stimmung und Gemüte.
Dies reizt jedoch zur Gegenwehr.
Also verwundert es nicht sehr,
wenn manche das nicht mehr ertragen
und dazu ihre Meinung sagen.
Mit Ironie und viel Satire
führ´n sie den Dichter in die Irre,
der nun verkrampft – gefallen möchte´ er-
was andres schreibt, nur schreibt er schlechter!
Für den, der Deutsche Dichtung liebt,
moderne Lyrik gar nichts gibt,
wenn Wortewirrwarr, sinnentstellt
ohn´ Inhalt man für Dichtung hält,
durch Lob die Unbegreiflichkeit
prämiert wird als den Geist der Zeit.
Ich liebte Gedichte, alt- vertraute,
bevor man mir die Lust versaute!

Donnerstag, 28. Januar 2010

Fortschrittlich

Hosianna, schlagt die Saiten,
stoßt in die Fanfaren:
heute sind wir kultiviert,
gestern noch Barbaren.

Liefen rum im Bärenfell,
schenkten Met uns ein;
nunmehr kann es Cashmere-Tuch
und Champagner sein.

Früher war ´s der Trommelklang,
der zur Versammlung dröhnte,
heute ist ´s der Handy-Ton
mit dem man sich aussöhnte.

Gleichwohl wir keine Vögel sind,
lernten wir das Fliegen.
Aus dem Reagenzglas nun
kann man Kinder kriegen.

Schön ist diese neue Welt
für die ganz Bequemen
Fußmarsch, das war gestern wohl,
nun heißt ´s Taxi nehmen.

Hosianna, schöne Zeit,
begrüßt mit Zimbern, Lauten, Flöten,
haben wir es doch gelernt
massenhaft zu töten.

Früher schlug man auf sich ein
wie es Barbaren-Art
mit Keule, Streitaxt oder Schwert,
was auch wohl wehe tat.

Ab jetzt drückt man nur einen Knopf
und die Rakete startet,
hernach sind dann so viele tot-
soviel, wie man erwartet.

Hosianna, jubelt froh,
setzt die Raketen nur in Marsch.
Ihr werdet ´s sehn, wenn ihr noch lebt,
die Welt ist schnell im Arsch!

Mittwoch, 27. Januar 2010

Was tun, wenn...?

Erheb´ ich meine Stimme,
so ist ´s als wenn ein Floh gehustet hätte.
Vielleicht sogar noch weniger
wirkungsvoll, ich wette!
Denn Flöhe nimmt man irgendwann
noch wahr.
Mich scheint es nicht zu geben,
ich bin hier und doch nicht da.
Fühl´ ich mich deshalb gleich dem
Floh?
Nein, denn ich hüpfe anderswo,
da, wo die Welt sich in der Fantasie
verliert
und keine andere Menschenseele sich
verirrt.
In dieser Welt, von allem abgewandt,
werd´ hoch geachtet ich und anerkannt.

Dienstag, 26. Januar 2010

Ich weiß warum

Ich träum´ vom Meer,
das trennt und doch zugleich verbindet.
Von seiner Weite, die am Strand
doch Nähe findet.
Von seiner unbegrenzten Wildheit,
die am Fels sich brausend bricht
und spiegelglatt sanft schimmernd
da liegt in dem Abendlicht.
Von Tiefen, die kein Mensch je sieht
und von dem flachen Watt, aus dem
der Mond die Fluten zieht.
Hör ´ ich den Möwenschrei, wenn
sanfte Brise deren Flügel trägt
und Strandgut sich auf flachen
Wellen wägt,
dann weiß ich, warum
mich dieser Traum erreicht.
Es ist das Meer, das meinem
ICH am meisten gleicht!