Montag, 4. August 2008

Gefängnis


Gefangen bist du Fink
in deinem Käfig.
Gefangen, weil du dich
nicht selbst befreist.
Du siehst den Spalt
der offnen Käfigtür
und blinzelst schläfrig,
wenn du es später nur
nicht mal bereust.
Die Freiheit sieht dich an
durch enge Gitterstangen
du hüpfst und trippelst
her und hin,
die Angst vor Neuem
hält dich wohl gefangen
und Flügel, die dich tragen
geben keinen Sinn.
So hockst du denn in deiner Enge
versorgt, vermeintlich wohl beschützt.
Es fragt sich nur,
ob dir der Käfig nützt,
wenn einer Katz´
das Öffnen mal gelänge!
Bescheidenheit

Ach, wie bin ich es so leid,
den Kaviar und Champagnern,
die überlass ich ohne Neid
auch gern mal jemand andern.
Wenn ich Kartoffeln hab´und Kniffte
und beides ohne Umweltgifte,
dann will ich schon zufrieden sein.
Vielleicht – denn doch ein Gläschen Wein?
Ein Steak vom Rind ganz zart und rare,
am besten wenn ´s vom KOBE wär,
und Butterböhnchen à la Princess,
dazu ein Sösschen Hollandaise,
in einem 3-Stern Restaurant,
das durch Bocuse erst wurd´ bekannt:
bei Kerzenschein und Dämmerlicht
mehr brauchte ich zum Leben nicht.
Auch wenn die Rechnung ziemlich hoch,
bescheiden bin ich eben doch!

Sonntag, 3. August 2008

Kinderkram

Wir gehen auf den Bauernhof,
da gibt es Hühner.
Find ich doof!
Aber auch viele Rinder.
Ist doch nichts für Kinder!
Die haben da auch Katzen.
Igitt, die kratzen!
Den Hund kannst du kraulen.
Der beisst oder wird jaulen!
Du kannst auch reiten auf dem Pferde.
Das wirft mich doch nur auf die Erde!
Dann schau die Ferkel in dem Stall.
Ach nee, da stinkt es überall!
Im Stroh – gefällt es dir da nicht?
Das piekst und sticht!
Dann spiel doch mit dem Bauernsohn.
Ist der in meinem Alter schon?
Ja doch, er wird den Hof mal erben.
Dann muss der Bauer doch erst sterben!
Na ja, du hast es ja nicht eilig.
Darauf zu warten ist langweilig!
Wohin sollen wir dann wandern?
Zum Bauernhof – nur zu ´nem andern!


Zeitensprünge

Alter spült vergangene Zeit
wie loses Strandgut an.
Bruchstückhafte Vergangenheit,
an die man sich erinnern kann,
herausgelöst, doch die Konturen
scharf gezeichnet
als hätte sich der Vorfall jetzt ereignet.
So formt ein Bild sich
früher Jugendjahr`.
Vergesslichkeit bezieht sich nur
darauf, was gestern war!
Findlinge

geprägter ausdruck
für erbittert widerstand
hart wie granit
unzerstörbar bis in ewigkeiten
und doch
haben verwerfungen und eisfrost
schwere brocken abgesprengt
ungläubig staunenden Menschlein
als erbe aus vorzeit hinerlassen
mahnung an urgewalten
zugleich hinweis
auf macht der beharrlichkeit
glättungsprozesse

Samstag, 2. August 2008

Spiegelbild

Ich frag` mich, wem kann man vertrauen
in unserer heutigen Zeit.
Ich bin dazu nicht mehr bereit
und werd ´auf niemand bauen.
*
Ich baue nicht einmal auf mich,
hab Zutrauen nicht zu mir
nicht einmal einen kleinen Schritt zur Küchentür
und das ist nicht verwunderlich.
*
Hab´ meine Meinung rausposaunt,
was manche sehr verletzt
und sie gewechselt wie ein Hemd - zuletzt
hernach war drüber ich erstaunt.
*
So riet ein Freund mir ziemlich barsch
im Spiegel mich zu seh´n
und was ich sah – ich sag ´s heraus- war gar nicht schön:
es zeigte sich ein Loch im ……!
Realität

Ach in meiner Fantasie
tu ich tausend Sachen,
die in Wirklichkeit ich nie
traue mich zu machen

Wenn ich schlafe, träume ich
nie was ich gern hätte,
so ist ´s nicht verwunderlich:
geh nicht gern zu Bette.

Nüchternheit ist angesagt,
nicht der Wirklichkeit entfliehen
und so hab ich ungefragt
ein andres Leben nicht geliehen.