Mittwoch, 5. Mai 2010

Schamhaftigkeit

Knorrig der Stock aus Eschenholz,
Wanderstab sagst du dazu.
In Wahrheit –Altersstütze – dein Stolz
lässt eine andere Deutung gar nicht zu.

Aufrecht standest du im Leben,
kein Schicksal hat dich je gebeugt.
Und so empfindest du als Schwäche eben,
wenn man vermeintlich dich beäugt.

Ach, alter Mann, die Schwäche deiner Jahre,
sie sind die Macht, der jeder mal erliegt.
Der Körper schwächelt – doch stellt
sich die Frage,
hat auch das Alter deinen Geist besiegt?

Dienstag, 4. Mai 2010

Sirene

Ich stürzte herab
wie einst Daedalus
der den Strahlen der
hellen Sonne
zum Opfer fiel
so fiel ich
*
Ich verbrannte
an der Glut
wie der Falter
angelockt
vom Kerzenlicht
zu Asche wurde
zu Asche wie
auch meine Hoffnung
*
Ich zerschmetterte
wie ein Boot
an den Klippen
der Brandung
zerschmetterte in
der Brandung
der Gefühle
gestrandet und zerschmettert
*
Ja, strahlend und
feurig bist
du
hart und scharfkantig
zugleich
wehe dem
unglücklich Verührten!

Montag, 3. Mai 2010

Über alle Grenzen

Wo diese Welt sich endet,
in Sphären sich verliert,
wo alles ausgeblendet
was unsere Erde ziert,
in unerklärte Weiten
wo Sternenfeuer glühen
und irdisch keine Zeiten:
dorthin soll sie entfliehen,
die Seele - nun entbunden,
dem Sterblichen entwunden?
Wie weit, oh, Mensch, reicht
deine Fantasie?
Unsterblichkeit erlangst du nie!

Armes Griechenland

Vergessen sind die Tugenden und Werte!
Wer waren Platon und Euripides?
Wie kam ´s, dass diese Welt sich kehrte
und wer war denn bloß noch Aristoteles?
Wohin entschwand spartanische Genügsamkeit,
Athenes Weisheit, die vor langer Zeit
als Vorbild galt in der Antiken Welt
Alles verflüchtet, alles zerfällt –
im Land der griechischen Moderne.
Zeus wetterleuchtet in der Ferne –
erhellt die Schwächen attischer Vorlieben,
die einst man nur den Göttern zugeschrieben.
Oh, altes Griechenland, du hast die Welt beschenkt.
Zu schade nur, dass heute keiner deine Einsicht lenkt!

Sonntag, 2. Mai 2010

Zwiespältiger Mai

Nun ist wieder Mai
und die Bockjagd ist frei.
Aus dem Tier liebenden Heger
wird der Trophäenjäger,
wie bei Jekyll und Heyde,
alles hat seine Zeit.

Man sieht Leute sitzen,
die im Biergarten schwitzen,
den Maibock genießen,
hinter die Binde sich gießen
den schäumenden Trunk
und zu Haus gibt es Stunk.

Und Maikäfer fliegen,
weh, wenn wir sie kriegen,
werden sie unverdrossen
in Kästchen verschlossen
„Pommerland“ gesummt,
bis das Tierchen verstummt.

In diesen Tagen
muss der Hauspoet sich fragen:
soll er Böcke erlegen,
den Kneipengang pflegen,
Maikäfer sammeln
oder im Hause rumgammeln?

Die Entscheidung fällt schwer,
er überlegt hin und her,
kann sich nicht recht entscheiden
und so muss er leiden.
Der Geist ist benommen
- doch der Mai ist gekommen!

Samstag, 1. Mai 2010

Ausgebrannt

Im ewigen Streben
in Ränken und Weben
vergeht unser Leben
*
Kein Innehalten
um Zeit zu gestalten
mal Hände zu falten
*
Es reißt dich mit
und du hältst Schritt
kommst dann außer Tritt
*
Nun stürzt es ein
dein vorheriges Sein
war alles nur Schein
*
Kein Halten mehr
du taumelst umher
versinkst im Meer
*
Im Meeresschoß
bedeutungslos
und
warum das bloß?

Erster Mai

Erster Mai (verkürzt)

Um den Maibaum gesprungen
Lieder gesungen
Küsse getauscht
jugend-berauscht.

Jahr für Jahr Mai
und immer dabei
mit Bier angestoßen
die Mainacht genossen.

Hab ihn heute gesehen
doch bleib ich nicht stehen
unterm Maienbaum
beachte ihn kaum.

Ist das Jahr erst vorbei
gibt es auch wieder Mai
und das Jahr darauf wieder
singen andere die Lieder.
Der Mai ist gekommen;
ach, ich hab es vernommen