Montag, 19. September 2011

Fehlende Eleganz

Spieglein, Spieglein an der Wand...
Das Märchen ist uns wohl bekannt
Auch an Schneewittchens Aufenthalt
Tief in dem Märchen-Wunderwald

Gibt es ebenso ganz viele Spiegel
Ich gebe euch darauf Brief und Siegel.
Nicht wie ihr meint als Gewässer und Teich
Nein, diese Spiegel sind anders – nicht gleich

Bei Rehbock und Schmaltier
Sind diese als Zier
Achtern gleich unter dem Schwanz
Beim Menschen hingegen kein Hauch Eleganz!

Unbeweglichkeit

Trägheit des Geistes gleicht einer Störung,
hinderlich der Persönlichkeitsentfaltung,
Stillstand ist Ideenabwürgung,
bequeme, doch erbärmlich arme Haltung.

Verschenkt sind angeborene Talente,
Verluste, die man nicht einmal erkennt.
Was man für sich und andere leisten könnte,
Verschwendung heißt´s, wenn man ´s beim
Namen nennt.

Gedankenträgheit ist des Urteils Tod,
das mag man drehen oder wenden,
gehen die Gedanken auf ein kleines Lot,
wird dies in starrer Dumpfheit enden.

Zum Stein erweichen

Granitbrocken älter als der Menschen Gedächtnis
Älter als vieles was auf Erden man find´
Geschliffen durch heftigen Regen und Wind
Sind der Vergangenheits Vermächtnis

Ihr Klagen und Jammern vom Wind umschlungen
Ihr leises Singen an ruhigen Tagen
Erzählen von erdgeschichtlichen Sagen
Als ihre Töne noch freudig geklungen

Die Zeit ist vorbei, vorbei und vorüber
Sie berichten ´s dem Wind der sie umweht
Und ihre verzweifelte Sehnsucht trägt
In die Welt, deren Anblick immer trüber

Vorbei ist vorbei

Vorbei ist Vorbei

Das Herzklopfen erwartungsvoll
Was würde wohl geschehen
Ein bißchen ängstlich war ihm schon
Bei diesem Wiedersehen

Zehn Jahre war´n ins Land gegangen
In Freundschaft hat man sich getrennt
Doch keine neue Liebe ist er eingegangen
Nur das, was flüchtig man Bekanntschaft nennt

Nun kommt sie lächelnd auf ihn zu
Es triumphiert in ihm Beklommenheit
Sein Puls wird ruhig denn sein Herz gibt Ruh
Zu lange war die Trennungszeit

Er grüßt sie höflich auf Distanz
Verschüchtert hält die Wange sie zum Kuß
Der Rest von Leidenschaft entschwindet ganz
Weil Liebe Trennungszeit nicht überdauern muß

Der moderne Mensch

Die Anthropologen haben es bewiesen auch der homo sapiens, allgemein als unsere Art betrachtet, hat auch Gen-Spuren von dem Vetter, dem Neandertaler. Wer daran zweifelt, den kann ich aus meiner ganz persönlichen Sicht überzeugen. Ein Homo Sapiens ist ein Vernunft begabtes Wesen mit entschiedener Selbstkontrolle, der Neandertaler ist eher ruppig und aggressiv, so will es jedenfalls die Lehrmeinung, schon aus dem Grunde, daß man sich als moderner Mensch nicht mit dem Muskel bepackten Ur-Menschen vergleichen lassen will.
Dabei ist der Homo Sapiens auch nur eine Zwischenstation, abgelöst von dem homo industrialis, der seine Kräfte durch Maschinen (elektrisch oder verbrennungsmotorisch) vervielfältigte. Der aber ist inzwischen abgelöst durch die moderne Art homo kommunikatoris und mechatronikus. Der Unterschied liegt darin, daß dem nun modernsten Menschen weitere Organe zur Verfügung stehen, die ausgelagert sind und damit allen fast gleichzeitig zur Verfügung stehen. Ein Zusatzgehirn sowie ein weiterer Arm bzw. eine weitere Hand.
Alles ist besser bekannt als Internet und Maus (ersatzweise Tastatur). Damit ist nicht nur das Wissen der Welt verfügbar, alle Plätze der Erde erreichbar und sichtbar, Nachrichten im on-line Tempo ausgebreitet und jede Form der Kontaktaufnahme zu anderen Menschen sogar zu denen, die man überhaupt nicht kennt, gewährleistet.
Nichts was interessiert entgeht, nichts was man nicht kaufen, verkaufen oder verschenken will ist unerreichbar. Der Mensch ist zu einer allgegenwärtigen Gottheit emporgestiegen.
Ich sage ausdrücklich GOTTHEIT und nicht GOTT, weniger um auf religiöse Gefühle Rücksicht zu nehmen als ganz pragmatisch festzustellen: es fehlt die ALLMACHT. Nicht,
daß es einige Verrückte nicht schon versucht hätten diese zu erlangen – die neuere Weltgeschichte ist voll von Leuten, die sich über Leben und Tod aufschwingen aber sie sind isoliert durch moralische Ansprüche und scheitern regelmäßig. Mit Allmacht ist es also nichts.
Man muß sich damit begnügen sich in Abhängigkeiten zu bewegen. Das ist unangenehm, unwürdig und fatal. Das zweite externe Gehirn ist wie sein organisches Vorbild etwas anfällig, manchmal sogar dement und hin und wieder koppelt es sich ganz ab. Wehe dir homo kommunikatoris – du hast, bequem wie du bist, alte Techniken verlernt als da sind z.B. das Briefschreiben, das Lesen in Büchern, das Absprechen von Terminen, das sinnvolle Beschäftigen mit sich und seinen Mitmenschen.
Nun fragt man sich, was das mit dem Neandertal-Gen zu tun hat. Mir, dem sehr modernen Menschen, ist durch Umstände, die nicht erklärbar sind, das Internet abhanden gekommen.
Eine Verbindung zu meinem zweiten Gehirn ist seit einiger Zeit nicht mehr möglich. Alles gerät durcheinander. Glasfaser-Kabel, der Nervenstrang zwischen Gehirn eins und zwei versagt offenbar Impulse – nebenbei ist das Fernsehen auch betroffen – man kann es vergleichen mit einer Rückenmark-Schädigung, die zur Lähmung führt, eben nur extern!
Das bringt das Blut in Wallung (fürs Ruhrgebiet zum Verständnis: das fängt mein Blut an klumpen). Mit Wut im Bauch oder auch zusätzlich in anderen Körperregionen klingt mein Ur-Schrei durch das Telefon zur Hot-Line, die, welch unbeschreiblicher Zufall, nach fünf Minuten mit einem offenbar menschlichen Wesen besetzt ist.
„Brüllen Sie mir nicht so ins Ohr wie ein Neandertaler“ klingt es am anderen Ende der Leitung. Aha, da ist sie, die Aggressivität unser Urvettern! Das Neandertaler-Gen bricht sich Bahn!
Ob mein Gegenüber am Telefon wohl auch die Gen-Theorie über den homo sapiens aus dem Internet gezogen hat? Wenn ja, hatte er wohl eine Verbindung zu unserem zweiten Gehirn.
Ich aber bin versetzt in Ur-Ur-Ur-Zeiten als man die Technik des Keulenschwingens noch beherrschte. Ich gehe in den Wald und schnitze mir eine mit einer Feuersteinklinge, das dauert, vielleicht nicht ganz so lange wie der Kundendienst...

p.s. Ich habe das geschrieben, um euch zu warnen. Wollte es ins Internet stellen doch siehe oben. So wird dies kein moderner Mensch lesen.
Arme Internet-Nutzer leider versteht ihr auch meine Rauchzeichen nicht. Zu modern für diese unsichere Welt seid ihr klitzekleinen GOTTHEITEN!

Sonntag, 11. September 2011

Die politische Lüge

Als die Lügen laufen lernten
konnte man die Früchte ernten.
An Ästen, die emporgeschossen
Propaganda-Lügen sprossen

Verklausuliert und Mund gerecht
Lügenfrucht, die faul und schlecht
in der Presse ausgedrückt
nur die Anhänger entzückt

Und so träufelt bitterer Saft,
der dem Volke Leiden schafft
ungehemmt in dessen Stirn
und zerstört das bißchen Hirn

Freitag, 9. September 2011

Unangenhm veränderlich

Seit Jahren merke ich es schon:
Ich bin wie ein Chamäleon.
Mal schwarz, mal gelb, mal rot,
mal Atheist und mal mit Gott.

Nichts gibt es, was mich wirklich trägt.
Ein steter Wandel der mich prägt.
Mein Charakter, windelweich,
ist wie ein gärend Kuchenteich.

Hätte ich Macht, wär ich ein Despot,
das Schicksal hindert es gottlob,
denn ein Despot mit Wankelmut
ist meistens schlecht und weniger gut.

So bin ich und so bleibe ich.
Doch sehne oft ich herzlich mich
nicht ein Chamäleon zu sein
und zieh beschämt die Zunge ein,

die nicht gespalten wie bei Schlangen
doch bleibt so manches Wort dort hangen,
das voreilig nach vorne schnellt
und klebrig seine Beute hält.

Es bleibt so manches an mir hängen,
das würde gerne ich verdrängen.
Der Mensch als ein Chamäleon
vergreift sich häufiger im Ton.